Heimat Megacity – Das Leben in São Paulo

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Wer in São Paulo lebt oder arbeitet, hat nicht nur mit massiven Verkehrsproblemen zu kämpfen, sondern auch mit hoher Kriminalitätsrate. Doch Bruno Bergamo kennt auch die positiven Seiten der Millionenstadt.

Für Bruno Bergamo spielt der Punkt Sicherheit eine besondere Rolle, wenn er über seine Heimatstadt spricht. Der Marketing Manager von DEKRA Brasil lebt in São Paulo. Die Zwölf-Millionen-Stadt liegt in Sachen Sicherheit auf einem der letzten Plätze. Das ist das Ergebnis einer Studie von PricewaterhouseCoopers, PWC, die 26 Handels-, Finanz- und Kulturmetropolen auf der ganzen Welt miteinander verglichen und verschiedene Faktoren, wie unter anderem  Nachhaltigkeit, Verkehr und Sicherheit, bewertet hat. Mehr als 20 Millionen „Paulistanos“ wohnen insgesamt in der Metropolregion São Paulo. Während 1990 vergleichsweise nur etwa 14,5 Millionen Menschen hier leben wollten, werden für 2025 schon 22,5 Millionen Einwohner prognostiziert.

DEKRA Solutions Sao Paulo from DEKRA on Vimeo.

Etwa 8,7 Morde pro 100.000 Einwohner im Jahr 2015 zeigen die drastische Realität einer Megacity, in der Sicherheit Lebensqualität definiert. „Wer in São Paulo wohnt, lebt lieber in einer Wohnung als in einem Haus. Das ist sicherer“, sagt der Vater einer dreijährigen Tochter. Menschen, die es sich leisten können, ziehen in Wohnanlagen, die mithilfe von Kameras und Wachleuten gesichert sind. Auch Unternehmensgebäude werden oftmals besonders ausgestattet, um die Beschäftigten zu schützen. Bergamo sagt: „Ich wünsche mir, dass es insgesamt sicherer wird. Es ist zum Beispiel undenkbar, am Abend sorgenfrei durch die Straßen zu laufen.“ Stattdessen werden Autoscheiben schusssicher gemacht oder in der preiswerteren Variante abgedunkelt. So sieht von außen niemand, ob die Wageninsassen Schmuck anhaben, ob sie ein Handy mit sich führen oder ob sie einen teuren Anzug tragen. Die Gefahr, ansonsten insbesondere im Stop-and-go-Verkehr zum Opfer einer bewaffneten Bande zu werden, ist zu hoch. „Abends“, sagt Bruno Bergamo, „hält man an einer roten Ampel gar nicht erst an.“ Denn Raubüberfälle, Autodiebstähle und Einbrüche gehören zum Alltag dazu. Auch die Kinder werden lieber mit dem privaten Fahrzeug zum Unterricht gebracht als in den Schulbus gesetzt.

Doch Bruno Bergamo erzählt auch von den guten Seiten, von dem, was sich verändert hat. Er erzählt von den Parks, die in den vergangenen Jahren ausgebaut wurden und die Stadt grüner machen. Und von Verbesserungen rund um das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz. „Für die Umwelt wird seit einiger Zeit viel getan“, berichtet er. Seit mehreren Jahren setzt die Stadt auf Mülltrennung. „Zuvor wurde alles zusammen entsorgt. Wenn man seinen Müll trennen wollte, musste man zu bestimmten Sammelstellen fahren.“

Megacitys müssen attraktiver werden

Und dennoch gibt es besonders beim Umweltschutz noch vieles zu tun. In São Paulo wird beispielsweise ein Großteil der Abwasser ungeklärt in die Flüsse geleitet. Ein Aspekt, der mehr und mehr zu einem Problem werden kann. Besonders dann, wenn der aktuelle Trend der Urbanisierung anhält, die Überbevölkerung der Stadt steigt.

Dass dieser Trend anhalten wird, ist absehbar. Denn in den Megacitys gibt es Arbeitsplätze und Schulen. Und das wirkt wie ein Magnet. Auch auf Unternehmen. Sie siedeln sich dort an, wo Arbeitskräfte leicht verfügbar sind. Immer wichtiger wird dabei, dass die Beschäftigten dort auch gerne leben. Um global wettbewerbsfähig zu sein und private Investoren anzuziehen, müssen Städte attraktiv für beide Seiten sein – für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Ein wichtiger Punkt. Denn schon heute erwirtschaften Megacitys einen Großteil des Bruttoinlandsproduktes. Einige Metropolen übertreffen da bereits ganze Länder und verlangen eine entsprechende Stimme bei Entscheidungsfindungen. Der erweiterte Großraum Los Angeles beispielsweise generiert ein Bruttoinlandsprodukt, welches das von Ländern wie der Niederlande oder der Türkei übersteigt. Aus ökonomischer Sicht hat es also großes Gewicht, dass Menschen in die Städte ziehen.

Bruno Bergamo

„Für die Umwelt wird seit einiger Zeit viel getan“, berichtet Bruno Bergamo. Seit mehreren Jahren setzt die Stadt auf Mülltrennung. Foto: Diddo Ramm

Ökologie rückt in den Fokus

Aber viele Menschen verursachen gleichzeitig auch mehr Müll und mehr Abwasser. Damit Metropolen in Zukunft gut dafür gerüstet sind, müssen sich Stadtplaner einiges einfallen lassen. Schon heute sind einige Städte gut vorbereitet und fit, was ökologische Aspekte betrifft. Berlin ist so ein Beispiel. In der PWC-Studie landet Deutschlands Megacity in dieser Kategorie auf Platz eins. Mit ihren 3,5 Millionen Einwohnern scheint die Stadt jedoch hinsichtlich ihrer Situation und Infrastruktur kaum vergleichbar mit den Megacitys, die die Zehn-Millionen- Grenze längst überschritten haben.

Aber wie wird es weitergehen, wenn immer mehr Menschen in die Städte ziehen? Schon heute werden dort 60 Prozent des weltweit vorhandenen Trinkwassers verbraucht. Und das, obwohl Städte nur drei Prozent der Erdoberfläche ausmachen. Das hat eine von Siemens in Auftrag gegebene Studie gezeigt. Aufgabe der Städte wird es also sein, innovative Strukturen zu schaffen, die nicht nur die Versorgung der Bewohner sicherstellen, sondern auch dafür sorgen, dass der ökologische Fußabdruck passt. So gibt es Pilotprojekte rund um autonome Wohnviertel, bei denen Energie und Nahrungsmittel vor Ort erzeugt werden, energieautarke Häuser, die mit Fotovoltaikmodulen ausgestattet sind und andere Ideen. Doch diese wirklich umzusetzen, scheint nicht einfach zu sein. Was oftmals in der Vorstellung funktioniert, scheitert häufig in der Realität. In einer Stadt wie São Paulo stehen die Lösungen für die drängendsten Probleme wie Kriminalität, an vorderster Stelle.

Megacitys in Zahlen

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