Sprachsteuerung – Der Trend im Smart Home Bereich

Der aktuelle Trend im Smart Home heißt Sprachsteuerung. Neben Hausgeräten und Alarmsystemen lassen sich ebenso Beleuchtung, Unterhaltungselektronik und bald auch vernetzte Gesundheitsprodukte auf Zuruf steuern.

Smarthome

Die Zahl der durch Sprachsteuerung verknüpften Haushaltsgeräte steigt stark an. Fotos: Hersteller, Dekra

Der von Amazon entwickelte Sprachassistent Alexa begeistert nicht nur Hightech-Fans. Sein Markterfolg belegt auch, wohin die Reise bei der Systemsteuerung für das Internet der Dinge geht: Die Spracheingabe wird das Tippen auf dem Display zunehmend ersetzen. Allein auf der International Consumer Electronics Show CES Anfang des Jahres stellten die Aussteller rund 700 Produktneuheiten und Dienste vor, bei denen die von Amazon entwickelte Sprachassistentin unterstützt. Vom Anbieter der steuerbaren Kaffeemaschine, dem New Yorker Hersteller Gourmia, gab es auch einen Teekocher und einen Vakuumgarer zu sehen, die ebenfalls auf Sprachbefehle gehorchen. LG Electronics präsentierte Kühlschränke, die auf Zuruf Posten auf eine Einkaufsliste setzen oder Rezepte im Internet suchen.

Interessanterweise stammt keine der Messeneuheiten von Amazon selbst. Die Anbieter nutzen vielmehr die vom Alexa-Erfinder bereitgestellten Programmierschnittstellen, um an die künstliche Intelligenz von Alexa anzudocken. Selbst die Autohersteller Ford und VW zeigten die Integration der vernetzten Sprachassistentin in ihren Fahrzeugen. In einem ersten Schritt lässt sich damit etwa die Zentralverriegelung oder die Vorklimatisierung per Sprachkommando von zu Hause aus steuern. Im zweiten Schritt, der für diesen Sommer geplant ist, soll auch die Steuerung des smarten Zuhauses vom Auto aus möglich werden: „Alexa, heize den Backofen auf 220 Grad vor.“

Auch wenn seine hohe Verbreitung das Amazon-System übermächtig erscheinen lässt, ist es nicht allein auf dem Markt. So setzt etwa auch Apple mit seiner Sprachassistentin Siri und dem Smart-Home-System HomeKit auf Sprachsteuerung. Da sind Hersteller gut beraten, ihre Lösungen so flexibel zu halten, dass sie mit möglichst vielen der konkurrierenden Plattformen zusammenarbeiten. Gut gelingt dies etwa Philips, dessen vernetztes Lichtsystem Hue mit fast allen Smart-Home-Systemen kooperiert. Die Healthcare-Abteilung des niederländischen Konzerns verfolgt dieses Beispiel mit Interesse. Auch Konsumgüter wie Körperanalysewaagen und Blutdruckmessgeräte lassen sich vernetzen. Deren Integration in bestehende Smart-Home-Systeme gilt als nächster großer Entwicklungsschritt.

Spätestens dann stellt sich allerdings die Frage nach Datenschutz und Datensicherheit. Schließlich sind Vitaldaten wie Blutdruck und Gewicht sehr persönliche Daten, die niemand in falschen Händen wissen möchte. Bei der technischen Prüfung von Haushaltsgeräten kommen zu den Themen elektrische Sicherheit und Materialeigenschaften nun auch die Daten- und IT-Sicherheit hinzu. Dies gilt dann für vernetzte Kaffeemaschinen ebenso wie für Lichtsysteme oder vernetzte Gesundheitsprodukte.

Interview mit Beat Kreuter 

(Global Service Area Director Verbrauchersicherheit, DEKRA Testing & Certification B. V.)

DEKRA hat eine vernetzte Kaffeemaschine von Gourmia zertifiziert. Worum geht es da?

Kreuter: Wir stellen sicher, dass die Maschine alle Vorschriften für alle relevanten Märkte erfüllt. Dazu zählen Tests von elektrischer Betriebssicherheit oder elektromagnetischer Verträglichkeit, aber auch Prüfungen der Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Bei der Konnektivität untersuchen wir die Einhaltung der regulatorischen Vorschriften für NFC und Bluetooth.

Haben Sie im Rahmen Ihrer Test-Aufträge häufiger mit Smart-Home-Produkten zu tun?

Kreuter: Ja, da sehen wir einen starken Anstieg – etwa bei Bewegungssensoren, Schaltsteckdosen oder smarten Türschlössern. Interessanterweise beauftragen uns neben den traditionellen großen Herstellern auch viele Start-up-Anbieter.

Welche Auswirkungen haben zunehmende Produkt-Vernetzung und Apps auf das Testen?

Kreuter: Wir führen mehr Interoperabilitäts- und Konformitätstests durch. Dazu kommen Software-Tests, etwa von Apps. Da es noch keine Regularien für Apps gibt, hat dies für viele Kunden bisher nicht die höchste Priorität. Doch die EU führt derzeit Studien zur Sicherheit von Apps und integrierter Software in Produkten durch. Daraus wird sich eine gesetzliche Regulierung ergeben.

Werden auch Datenschutz und Datensicherheit in künftigen Produkttests untersucht?

Kreuter: Auf jeden Fall. Nächstes Jahr tritt die neue Datenschutz-Grundverordnung in Kraft. Sie wird sich auch auf Smart-Home-Produkte auswirken. Wenn eine Anwendung Daten in der Cloud sammelt, muss sie strenge Vorgaben einhalten und die Zustimmung des Nutzers erfragen. Bei vielen angebotenen Produkten ist das nicht so. Auch bei technischen Standards von Smart-Home-Produkten erwarten wir verschärfte Vorschriften – etwa beim Steuern des Stromverbrauchs mit Smart Metern. Solche Aspekte werden wir in Zukunft detailliert untersuchen.

Text: Hannes Rügheimer